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Jahreslosung

Gedanken zur Jahreslosung 2023

Pfarrerin Marisa Mann teilt ihre Gedanken zur Jahreslosung 2023.

Die Jahreslosung für das kommende Jahr 2023 steht im Hintergrund einer besonderen „menage a trois“.

Denn mit dem schönen und gleichzeitig sehr persönlichen Ausspruch „Du bist ein Gott, der mich sieht“, werden wir mitten hineingenommen in die Anfänge der Bibel.

Der Ausspruch stammt von Hagar, der Magd Abrams und Sarais.

Nachdem Abram und Sarai ein großes Volk verheißen war, sich aber die Nachkommenschaft nicht einstellte, greift Sarai zu einer damals anerkannten Lösung.

Hagar soll den Erben Abrams austragen und den Fortbestand sichern.

Das geschieht. Doch Spannungen zwischen Magd und Herrin werden unüberbrückbar, sodass Hagar mit Kind und Bündel in die Wüste flieht.

Ein Ausbruch aus dem, was ihr die Schultern so schwer werden lässt. Auch das Gewand, das wir im Bild von Stefanie Bahlinger zur Jahreslosung sehen können, scheint schwer auf Hagars Schultern zu lasten.

Doch im Bild wird deutlich, dass die Geschichte von Hagar noch mehr zu bieten hat. In ein warmes Orange getaucht stehen hinter ihr zwei Figuren, Abram und Sarai. Eine blaue Gestalt, ganz dicht an Hagar, scheint ihr aufzuhelfen und ihr beizustehen. Es ist ein Bote Gottes, ein Engel, der Hagar Hilfe inmitten der Wüstenzeit ihres Lebens zu Teil werden lässt. Auch daran anschließend und erfüllend der helle, fast gleißende Lichtstrahl, der aus dem Himmel herab direkt auf Hagar fällt.

Inmitten dieser Schwere ist sie umgeben von Licht und Gott begegnet Hagar in der Gestalt eines Engels.

Gott ist da, der sie wahrnimmt in ihrem schmerzvollsten Moment. Er sieht mitten hinein in ihr Leben, in alles, was gerade schiefläuft und verfahren ist.

Hagar spürt dies und in diesem Augenblick der Befreiung nimmt sie wahr, dass sie nicht mit ihren Sorgen und Lasten allein ist, und sagt die Worte: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Damit hat Hagar wahrscheinlich nicht gerechnet, als sie Hals über Kopf loszog, um alles hinter sich zu lassen.

Ihre Erfahrung kann auch uns spüren lassen: Gott sieht in unser Leben hinein. In die Stunden der Freude und des Glücks.

In die Stunden der Verzweiflung und der Angst vor inneren und äußeren Einflüssen.

In die Einsamkeit und Zerrissenheit.

In den Zweifel, ob Gott wirklich mit uns auf unseren Wegen geht. In all dies sieht Gott hinein und steht ungesehen an unserer Seite.

Liebe Gemeinde, für mich ist dieser Ausspruch wie ein Befreiungsschlag. Nach diesem Erlebnis geht Hagar nicht in eine andere Stadt oder wird heimisch bei einer anderen Familie. Nein, sie geht zurück zu Abram und Sarai – zurück in ihre gewohnte Umgebung, aber verändert. Mit der Gewissheit, dass Gott bei allen ist, aber eben besonders auch bei ihr, kann sie zurückkehren in ihr altes Leben, aber die alten Muster durchbrechen. Daher ist dieser Vers zu Beginn eines neuen Jahres ein sehr stärkender.

Ein Neuanfang kann etwas Veränderndes haben.

Auf den verfahrenen Wegen des Lebens, in den ängstlichen Stunden des Herzens oder den freudig erwartungsvollen Stunden strahlt das helle, das gleißende Licht der wärmenden Liebe Gottes.

So wünsche ich uns allen, dass uns dieser wärmende Blick Gottes begleitet. Bei dem, was wir beibehalten wollen, oder bei dem, was wir loslassen wollen, um gestärkt Neues zu wagen.

Gott ist ein Gott, der uns sieht – bei ihm sind wir angesehen, geliebt, begleitet.

 

Bildquelle: www.verlagambirnbach.de – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen


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